Freitag, 5. April 2013

Marburg, meine Perle

Die Perle an der Lahn ist es, die mir für etwa 5 1/2 Jahre neue Heimat gewesen ist, erlaubt mir also ein paar Worte über dieses wundervolle Städtchen zu verlieren. Idyllisch im Lahntal gelegen trifft häufig zu, was man (Wahl)Marburger immer mal wieder sagen hört: entweder es regnet oder es geht bergauf ;) Zumindest letzteres hat ein Tal nun mal so an sich. Wenn man ganz viel bergauf überwunden hat, kann man vom Spiegelslustturm aus über die ganze Stadt schauen. Studenten/innen sollen das aber angeblich erst nach ihrem Studienabschluss unternehmen, ansonsten würden sie durch die Prüfungen fallen ... Ich war auch vorher schon auf dem Turm, zumindest in meinem Fall hat es also nichts ausgemacht ^^ Richtung Oberstadt kann man sich das bergauf jedoch leichter machen, Marburg verfügt nämlich über den schönen Vorzug, dass man mit einem Fahrstuhl in die Altstadt gelangen kann.
Da sich die ganze Stadt ins Tal und an die "Hänge" quetscht, ist Marburg auch nicht sehr groß, mit den anwesenden Studenten etwa 90 000 Einwohner. Und der Platz, der vorhanden ist, reicht eigentlich auch nicht aus... Die wachsende Zahl an Studierenden hat dafür gesorgt, dass die Wohnungsknappheit in Marburg noch drängender geworden ist, als sie es sowieso schon immer war. Die Mietpreise und leider auch die Ausstattungen der Wohnungen spiegeln diese Tatsache leider wieder, hier wird man einfach auch das hinterletzte "Loch" los...
Marburg ist die Studentenstadt schlechthin, wir machen etwa 20 000 aus, was schmerzlich zu spüren ist, wenn Semesterferien sind: alles erscheint wie leergefegt, es fehlt nur noch jemand, der die Bürgersteige hochklappt. Im Semester allerdings hat man am Wochenende kaum eine Chance einen Platz in einer der Kneipen in der Oberstadt zu ergattern, Marburg platzt also manchmal nicht nur vor lauter Coolness aus allen Nähten ;) Der studentische Redner bei meiner Zeugnisverleihung hat es auf den Punkt gebracht: "Marburg hat einen großen Vorteil: jeder kennt jeden. Und Marburg hat einen großen Nachteil: jeder kennt jeden."
Folglich habe ich an der Philipps-Universität studiert. Die Gebäude der Alten Uni sind dabei besonders hübsch, den Vorzug, darin zu studieren, haben die Theologen, ich also leider nicht.
Die Alte Uni ist am linken Bildrand zu sehen, das Gebäude unterhalb des Kirchturms, der in die Wolken ragt. Rechts ganz oben über der Oberstadt bzw. generell über Marburg thront das Landgrafenschloss. Auf dem Foto ist sehr schön zu sehen, wie sich die Fachwerkhäuser der Oberstadt drängen. Geschossen wurde es vom Erlenring aus, dort findet Ihr auch die Mensa.
Ganz so schick habe ich nicht studiert, so gesehen waren wir wohl im hässlichsten Teil der Uni untergebracht, in der Philosophischen Fakultät, kurz PhilFak, eingerahmt zwischen Stadtautobahn und Bahnschienen (leider kein Witz).
Mehrere dieser Türme drücken sich in das Marbuger Stadtbild. Der größte Vorteil ist dabei noch, dass man demenstsprechend aus den obersten Stockwerken einen schönen Blick in alle Richtungen hat, besonders schön Richtung Schloss. Was haben wir über die PhilFak geschimpft, nicht nur, dass sie nicht die Schönste ist, irgendwelche Messwerte bezüglich Feinstaub oder so übersteigen den zulässigen Höchstwert auch noch um ein Vielfaches, eines dieser gesunden 70er-Jahre-Gebäude.
Allein die Tatsache, dass ich ein Foto dieses Gebäudes besitze, zeigt aber, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt... den größten Teil meines Studiums habe ich in diesen Türmen zugebracht und ich gestehe, ich werde sie genauso schmerzlich vermissen wie alles andere, was ich an Marburg liebgewonnen habe :(
Jetzt kehre ich diesem Städtchen den Rücken zu, was natürlich auf der einen Seite gut ist, da ein neuer Abschnitt beginnt und mir persönlich Marburg inzwischen etwas zu klein geworden ist, auf der anderen Seite jedoch endet damit eine großartige Zeit in einer großartigen Stadt. Diese alte Stadt darf sich mit jedem neuen Semester einer Verjüngungskur unterziehen, Marburg ist und bleibt dadurch jung, innovativ, alternativ, einfach alles, was man sucht und was man sich wünscht. Marburg lebt mit, von und durch seine Studierenden und hat für alle ein Plätzchen, nach dem man in dieser Phase seines Lebens gesucht hat.
Wer hier studieren darf und will, der findet ein Zuhause.